Graphic Novel

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Corona ist wie jede andere Krise eine Extremsituation, in der es verschiedene Lösungsstrategien und Möglichkeiten des Handelns gibt und die auf gesellschaftlichen Strukturen aufbaut. Doch was ist zu tun? Und welche Fehler werden gemacht?

Das Wichtigste für eine Weiterentwicklung jeder Art ist, aus Fehlern zu lernen. Doch dafür müssen wir Fehler überhaupt erst mal erkennen. Dazu brauchen wir zum einen die Fähigkeit, Kritik zu verarbeiten, aber viel wichtiger: Als Teil der Gesellschaft müssen wir Kritik formulieren. Ein erster, scheinbar offensichtlicher, aber nicht zu vernachlässigender, Punkt ist dabei, zu überprüfen, ob hinter «(pseudo-)kritischen Aussagen» (Welt-)Verschwörungsnarrative stecken. Auf Anmerkungen mit verschwörungstheoretischem Gehalt ist keine sachliche Auseinandersetzung möglich. Die Verhältnisse scheinen klar zu sein: Eine Personengruppe kontrolliert alle wichtigen Vorgänge, beispielsweise «die Eliten» die gesamte Wirtschaft oder «die Medien» alle Nachrichten.

Wenn Bill Gates nicht die Welt regiert (wovon wir ausgehen), gibt es falsche Schuldige, die darunter leiden müssen. Historisch gibt es hier Beispiele: Die Benennung von Schuldigen hat im Nationalsozialismus zur Ermordung von 6 Millionen Juden und Jüdinnen geführt, die fälschlich als Ursache des Leids gesehen wurden. Aber auch das Narrativ der korrupten geldgierigen Pharmaindustrie hat zu Opfern geführt. So hat ein südafrikanischer Präsident aus Skepsis gegen das «Aids-Establishment» die Versorgung mit Medikamenten eingestellt. An den Folgen dieser Entscheidung sind schätzungsweise 330.000 Menschen gestorben.

Der Glaube an Verschwörungsideologien ist sehr gefährlich. Vielleicht ist das, was der Auslöser für diese Aussagen ist, auch richtig und wichtig. Bill Gates hat viel Macht, da er viel Geld besitzt. Die Pharmaindustrie übt Einfluss auf Politik und Wissenschaft aus, um Profite zu maximieren. In unserer Gesellschaft ist der Profit eins der ausschlaggebenden Argumente für Handeln. Dies schafft ein System, in dem wirtschaftliche wichtiger als soziale Verhältnisse sind. Es geht darum, dieses System und die Ungleichheit dahinter zu verändern. Aber wenn einer meist pauschal verallgemeinerten Personengruppe (wie z.B. «Eliten») die Schuld für diese Auslöser gegeben wird, liegt eine verkürzte Darstellung vor. Oft dient der Bezug auf «die Anderen» oder «die da Oben» dazu, sich selbst nicht in die Verantwortung zu nehmen und etwas grundlegend verändern zu wollen.

Die graphische Novelle «Von Verschwörungen und Ideologien – Geschichten zu Zeiten einer Pandemie» erzählt die Geschichte von zwei Freundinnen und ihrem Dialog im Geschehen der Pandemie. Eine erfährt antiasiatischen Rassismus und sieht die Bewegung der Coronarebell*innen kritisch. Die andere ist offen für Verschwörungstheorien und engagiert sich auf Querdenken-Demonstrationen. Diese Geschichte wird durch mehrere Sachtexte ergänzt. Dadurch wird der eher emotionale Zugang durch die bildliche Darstellung mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Corona, Verschwörungsideologie und gesellschaftlichen Missständen verknüpft.

Die ganze Broschüre herunterladen: https://www.rosalux.de/publikation/id/45187

Ein Graphic Novel über Verschwörungen und Ideologien

Warum haben wir dieses Buch überhaupt gemacht?
In dieser Veröffentlichung haben wir verschiedene Perspektiven zum „Ist-Zustand“ gesammelt. Aufbauend auf der Auseinandersetzung mit verschiedenen Erfahrungsberichten rund um die Thematik hat sich dann der Graphic Novel entwickelt, um einen erzählerischen und emotionaleren Zugang zu schaffen.

Wir wollen den Unterschied zwischen legitimer Kritik und Verschwörungsideologie herausarbeiten und zeigen, wo es in diesem Spannungsfeld gerade zu Konflikt kommt.
Weder behandeln wir alle Perspektiven noch sind wir bisher groß darauf eingegangen, welche Ansätze es geben könnte, um die dargestellten problematischen Zustände zu verändern.

Der folgende Text soll daher nun erste Anhaltspunkte dafür geben.

Kritik oder Verschwörungsideologie?

Das wichtigste für eine Weiterentwicklung jeder Art ist, aus Fehlern zu lernen. Doch dafür müssen wir Fehler überhaupt erst mal erkennen. Dazu brauchen wir zum einen die Fähigkeit, Kritik zu verarbeiten, aber viel wichtiger: Als Teil der Gesellschaft müssen wir Kritik formulieren.
Ein erster, scheinbar offensichtlicher, aber nicht zu vernachlässigender, Punkt ist dabei, zu überprüfen, ob hinter „(pseudo-)kritischen Aussagen“ (Welt-)Verschwörungsnarrative stecken. Auf Anmerkungen mit verschwörungstheoretischen Gehalt ist keine sachliche Auseinandersetzung möglich. Die Verhältnisse scheinen klar zu sein: Eine Personengruppe kontrolliert alle wichtigen Vorgänge, beispielsweise „die Eliten“ die gesamte Wirtschaft oder „die Medien“ alle Nachrichten.
Wenn Bill Gates nicht die Welt regiert (wovon wir ausgehen), gibt es falsche Schuldige, die darunter leiden müssen. Historisch gibt es hier Beispiele: Die Benennung von schuldigen hat im Nationalsozialismus zur Ermordung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden geführt, die fälschlich als Ursache des Leids gesehen wurden. Aber auch das narrativ der korrupten geldgierigen Pharmaindustrie hat zu Opfern geführt. So hat ein südafrikanischer Präsident aus Skepsis gegen das „Aids-Establishment“ die Versorgung mit Medikamenten eingestellt. An den Folgen dieser Entscheidung sind schätzungsweise 330.000 Menschen gestorben. Der Glaube an Verschwörungsideologien ist sehr gefährlich.1
Vielleicht ist das, was der Auslöser für diese Aussagen ist, auch richtig und wichtig. Bill Gates hat viel Macht, da er viel Geld besitzt. Die Pharmaindustrie übt Einfluss auf Politik und Wissenschaft aus, um Profite zu maximieren. In unserer Gesellschaft ist der Profit eins der ausschlaggebenden Argumente für Handeln. Dies schafft ein System, in dem wirtschaftliche wichtiger als soziale Verhältnisse sind. Es geht darum, dieses System und die Ungleichheit dahinter zu verändern. Aber wenn einer meist pauschal verallgemeinerten Personengruppe (wie z.B. „Eliten“) die Schuld für diese Auslöser geben wird, liegt eine verkürzte Darstellung vor. Oft dient der Bezug auf „die Anderen“ oder „die da Oben“ dazu, sich selbst nicht in die Verantwortung zu nehmen und etwas grundlegend verändern zu wollen.

Klar ist, dass es absolut notwendig ist, auch schlechte Verhältnisse, wie prekäre Beschäftigung oder menschenunwürdige Lebensbedingungen an den europäischen Außengrenzen, zu benennen, ohne immer auch gleich schon eine umfassende Lösungsstrategie parat zu haben. Wenn allerdings regelmäßig nur aufgezeigt und kein Prozess der Lösungsfindung gestartet wird, wirkt das schnell bequem und wenig konstruktiv. Sich über die Einschränkung der Meinungsfreiheit zu beschweren, aber gleichzeitig keine Forderungen nach Vielfalt und Mitbestimmung zu stellen, wäre ein Beispiel dafür.
Eine Voraussetzung, um von konstruktiver Kritik zu einer Veränderung in der Gesellschaft zu kommen, scheint die Betroffenheit zu sein. Verhältnisse können kritisiert werden, jedoch ohne die Beteiligung von den Menschen, die beispielsweise vom kaputt gesparten Gesundheitswesen betroffen sind, also Kranke und die Beschäftigten, kann keine demokratische Zukunft entstehen.

Und schlussendlich ist es wohl entscheidend, wie mit Kritik umgegangen wird. Wird Kritik an den eigenen Analysen über die kritisierten Verhältnisse angenommen? Und wie wird damit umgangen? Das bedeutet auf jeden Fall ein erhöhtes Maß an Selbstkritik als Einzelperson, aber auch als Gruppe, die beispielsweise durch eine Demo ihre Kritik, aber auch Forderungen äußert. Nur durch den ständigen Prozess von Analyse, Kritik, Forderung und Selbstreflexion kann Verantwortung gegenüber der zu verändernden Thematik aufgebaut werden. Das gilt gerade auch für Themen, in denen wir nicht oder nur indirekt betroffen sind. Dabei geht es immer darum, den „Ist-Zustand“ von sich, von Menschen in meiner Umgebung, schlussendlich von der Gesellschaft zu erkennen und dort Kritik zu üben, wo Menschen leiden.

Wie lässt sich der „Ist-Zustand“ beschreiben?

Verschwörungsideologien, Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und rechte Ideologien gab es schon vor COVID-19 auf allen Ebenen. Durch unsere aktuelle Situation werden manche dieser Themen in den Vordergrund gerückt, andere aber auch verdrängt. Alle aber werden auf die ein oder andere Weise verstärkt. Zum Beispiel wurden Geflüchtete teilweise für zwei Wochen auf engsten Raum in Quarantäne gesperrt, wenn es in der Unterkunft Corona-Fälle gab.2 Auch die emotionale Belastung nimmt zu. Denn auch wer volles Verständnis für Lockdown, Abstand und andere Regeln aufbringt, kann immer wieder auch Wut und Trauer verspüren, da trotz aller vernünftigen Lösungen die Einschränkung von Freiheit und Kontakten ein massiver Eingriff in das Leben ist.

Trauer beispielsweise, weil man seine Liebsten nicht sehen oder Verwandte nicht beim Sterben begleiten kann. Bei allem Beharren auf vernünftigen Maßnahmen, sollten auch emotionale Reaktionen der Freund:innen, Familienangehörigen und Mitmenschen Raum gegeben und diese aufgefangen werden.
Viele der Maßnahmen scheinen im Anblick der Pandemie gerechtfertigt zu sein, einige aber dürfen nicht kritiklos bleiben. So wird die Freizeitgestaltung massiv eingeschränkt, während die Wirtschaft in Deutschland, frei von jeder humanistischen Logik, kaum reglementiert wird.3 Dies führt dazu, dass wir uns in einem schleichenden Dauerlockdown befinden, da durch die zahlreichen Kontakte in der Wirtschaft (wie z.B. in den Fabriken) die Neuinfektionen nie komplett reduziert werden. Diese Missstände tragen zusammen mit anderen gesellschaftlichen Problemen zu einer Steigerung der Wut bei.

Aber wo soll es überhaupt hingehen?

Doch wer die Welt wütend in schwarz und weiß unterteilt und unreflektiert Schuldige sucht, trägt nicht zu einer konstruktiven Veränderung bei. Um sich selbst abzuregen, kann das dem ersten Gefühl nach helfen.

Aber um den Problemzusammenhängen, die uns eigentlich wütend machen, wirklich beizukommen, müssen wir Verantwortung übernehmen. Verantwortung gegenüber den Menschen in unserer unmittelbaren Nähe, in unserer Gesellschaft und natürlich gegenüber der Demokratie. Diese Verantwortung zu übernehmen, gelingt uns vor allem dann, wenn wir uns selbst ermächtigen, nicht in einer Opferrolle verweilen und andere auf diesen Weg unterstützen.

Ein „Wir“-Verständnis mit so wenig „Ihr“ wie möglich und so viel wie nötig zu erzeugen.

Es ist wichtig, mit den Emotionen wie Trauer und Wut umzugehen.

Gleichzeitig soll aus dieser Emotion heraus kein Sündenbock gesucht werden.
Gesellschaftliche Trennlinien sind ein strukturelles Problem (wie verschiedene Diskriminierungsarten), daher gilt es, diese auch strukturell zu verändern. Dafür brauchen wir ein solidarisches Verständnis füreinander und schlussendlich auch Menschen, die aktiv darauf aufmerksam machen.

Gerade in Bezug auf die Wirtschaft brauchen wir eine akute Krisenbekämpfung mit antikapitalistischen Lösungsansätzen. Zwar sind Kapitalismus und Diskriminierung nicht die Ursache für die Pandemie, aber sie verstärken ihre Auswirkungen enorm. Eine Gesellschaft, in der alle gut und gern leben können, also das Soziale über der Wirtschaft steht, ist unser Ziel.

Aber wie kommen wir da hin?

Unsere Gesellschaft, Demokratie oder auch die Pandemie selbst sind nichts, was leicht zu verstehen ist. Denn es sind komplexe Vorgänge, mit denen wir uns ständig auseinandersetzen müssen.

Das bedeutet unter anderem Kritik äußern und solidarisch protestieren, das heißt ohne menschenfeindliche, verschwörungsideologische Ansichten und mit passenden Hygienekonzepten.

Solidarische Nachbarschaften, organisierte Kolleg:innen, Petitionen, kreative Aktionen, Kundgebungen und vieles mehr. All das sind Möglichkeiten, um uns gegen Verschwörungsideologie und Antisemitismus zu stellen, gleichzeitig aber auch fahrlässiges staatliches Handeln zu kritisieren und eigene Lösungswege vorzuschlagen.

Eine starke kritische Zivilgesellschaft ist jetzt gefragt, sich in Diskussionen einzumischen und sie nicht Konservativen, Verschwörungsideolog:innen oder der (extremen) Rechten zu überlassen.

Es ist in unserer Hand, gemeinsam Verantwortung zu zeigen, solidarisch zu Handeln und Kritik zu üben. Also zu sehen, wo Menschen (durch Strukturen) leiden, den Grund analysieren, mit den Menschen zusammen Forderungen, Wünsche sowie Wege gestalten und sich dabei immer wieder selbst zu reflektieren.
Erzählt eure Erfahrungen anderen, tauscht euch aus, organisiert euch in Initiativen, Gruppen, Kampagnen, Gewerkschaften. Bleibt kritisch und zeigt klare Kante gegen menschenverachtende Inhalte und Mechanismen, gerade auch im eigenen Umfeld und bei sich selbst!
Es gibt auch schon viele solcher Initiativen, die unterstützen, Hintergrundinformationen geben, aber auch Forderungen stellen. Ein wichtige Initiative ist hier „Zero Covid“4, die einen europaweiten Lockdown und gleichzeitig sziale Transformationen fordern. Die Auflösung von Sammelunterkünften und bessere finanzielle Absicherung in der Krise sind Beispiele hierfür.

Darüber hinaus gibt es viele Netzwerke und Initiativen, die sich gegen Antisemitismus, Verschwörungsideologien oder rechtes Gedankengut richten. Sie stellen Informationen sowie Argumentationsgrundlagen zur Verfügung.

Auch Beratungsstellen und Recherchekollektive können helfen, Betroffene zu unterstützen und Falschmeldungen sowie Hetze aufzudecken.5

1 https://magazin.hiv/2017/03/01/toedliche-zweifel-alternativ-der-kronzeuge-der-aids-leugner/.

2 https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-fluechtlingsheime-quarantaene-gesundheitspolitik-1.4859837.

3 https://www.neues-deutschland.de/artikel/1145953.lockdown-sterben-fuer-den-standort.html.

4 https://zero-covid.org/

5 Beratungsstellen: https://www.rias.de /, https://www.bundesverband-mobile-beratung.de/,

Recherchekollektive: https://www.volksverpetzer.de/, https://www.mimikama.at, https://correctiv.org/,

Bildungsinitiativen: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/.